Frank Peter Unterreiner

Interviewreihe „Medienwandel in der Immobilienwirtschaft“: 5 Fragen an Frank Peter Unterreiner

Gewerbe-Quadrat: Herr Unterreiner, Sie sind bereits seit dem Jahr 1991 als Journalist, Buchautor, Moderator, Referent und Lehrbeauftragter mit der Immobilienwirtschaft eng verbunden. Seit 2008 sind Sie Herausgeber des „Immobilienbrief Stuttgart“. Was ist Ihre Motivation für das immobilienwirtschaftliche Medium?

Frank Peter Unterreiner: Mich hat gestört, dass Stuttgart sich – inzwischen ist es etwas besser geworden – damals massiv unter Wert verkauft hat und auch so wahrgenommen wurde. Als Journalist war ich viel deutschlandweit und international unterwegs und musste feststellen, dass Stuttgart als Immobilien- und Wirtschaftsstandort viel zu wenig bekannt war, dass viele ein falsches Bild von der Metropolregion hatten. Dies zu ändern, dazu wollte ich meinen Beitrag leisten.

Zudem war und ist das Ziel, die Immobilienbranche in der Metropolregion über dieses Medium besser zu vernetzen, zur Markttransparenz beizutragen und die Erkenntnis zu fördern, dass dieser Ballungsraum aus einem Guss überplant und entwickelt werden muss. Wenn wir unsere Kräfte bündeln würden, würde die Metropolregion Stuttgart international ganz vorne mitspielen.

Gewerbe-Quadrat: Als Journalist waren Sie von 1992 bis 2012 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung tätig. Seit 1997 sind Sie Mitarbeiter bei „Immobilien Manager“ und seit 2005 Kolumnist bei „Immobilienwirtschaft“. Im Jahr 2008 wurden Sie mit dem Deutschen Preis für Immobilienjournalismus ausgezeichnet. Welche Aufgabe haben Medien in der Immobilienwirtschaft? Welche Pflichten hat der Immobilienjournalist?

Frank Peter Unterreiner: Er ist immer noch Informationsmittler zwischen öffentlicher Hand, Politik, Unternehmen auf der einen und Lesern auf der anderen Seite. Immer mehr muss er jedoch Informationen auswählen, gewichten, kommentieren, Orientierung bieten in einer immer komplexer werdenden Welt. Er muss – auch wenn es weh tut – den Finger in die Wunde lecken, Probleme thematisieren und so seinen Teil dazu beitragen, dass – das mag jetzt etwas theatralisch klingen – die Welt ein Stückchen besser, gerechter und fairer wird. Dazu muss er neutral sein, darf sich nicht vereinnahmen lassen.

Gewerbe-Quadrat: Konnten Sie über die letzten Jahre einen Medienwandel in der Immobilienwirtschaft feststellen? Hat sich das Berufsbild des Immobilienjournalisten verändert?

Frank Peter Unterreiner: Weniger der Immobilienjournalist hat sich gewandelt, mehr die Immobilienbranche. Als ich 1991 anfing, haben nur wenig große Unternehmen Pressearbeit betrieben, Geheimniskrämerei und Ignoranz war weit verbreitet. Das ist deutlich besser geworden, die Branche ist professioneller geworden, wenn sie auch anderen Wirtschaftszweigen hinterherhinkt. Dies hängt aber auch mit der Kleinteiligkeit der Immobilienwirtschaft zusammen.

Gewerbe-Quadrat: Wie sehen Sie die Zukunft von Printmedien in der Immobilienwirtschaft?

Frank Peter Unterreiner: Von Haus aus bin ich Printjournalist, heute verdiene ich mein Geld überwiegendst mit dem eigenen Onlinemedium – das beantwortet die Frage schon ein Stück weit. 1996 habe ich die Immobilienmarktverlagsbeilagen der FAZ konzipiert und bis 2012 redaktionell verantwortet. Dann habe ich es sein lassen, weil das Anzeigengeschäft nahezu komplett zum Erliegen kam.

Die Problematik, dass Print zunehmend die Anzeigen und auch die Leser fehlen, wird sich verschärfen. Also werden noch einige Tageszeitungen, Magazine und Fachmedien fusionieren oder eingestellt werden. Auf der anderen Seite entwickeln Verlage neue Onlinekonzepte. Ein bisschen ist es wie beim Einzelhandel: Online und offline lassen sich nicht mehr sauber trennen, die Formate und Kanäle verschmelzen zunehmend.

Gewerbe-Quadrat: Welche Chancen und Risiken bieten Neue Medien, insbesondere Social Media für immobilienwirtschaftliche Unternehmen?

Frank Peter Unterreiner: Das Risiko, sich mit Laien auseinandersetzen zu müssen, die Kontrolle über das eigene Bild in der Öffentlichkeit zu verlieren, ungerecht behandelt zu werden und einem Shitstorm ausgesetzt zu werden. Journalisten können zwar auch mal hart sein und eine Meinung vertreten, die dem Unternehmen weh tut. Sie sind aber in der Regel gut ausgebildet und unterliegen „Spielregeln“, wie dem Presserecht und dem Pressekodex. In Social Media hingegen gibt es keine Regeln, keine Fairness und keine Gnade. Auf der anderen Seite kann ich mich als Unternehmen ohne den Filter Medien direkt meinen Zielgruppen präsentieren und diese akquirieren. Wer im World Wide Web unterwegs ist, muss es richtig machen und professionell.

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Gewerbe-Quadrat: Herr Unterreiner, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg!

Demnächst erscheinen auf Gewerbe-Quadrat.de weitere Beiträge der Interviewreihe„Medienwandel in der Immobilienwirtschaft”


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