Interviewreihe „Medienwandel in der Immobilienwirtschaft“: 5 Fragen an André Eberhard

Gewerbe-Quadrat: Herr Eberhard, Sie sind bereits seit dem Jahr 2006 als Redakteur und seit 2008 als Chefredakteur bei „Der Immobilienbrief“ tätig. Was ist Ihre Motivation für das immobilienwirtschaftliche Medium?

André Eberhard: Bei meiner eigentlichen Ausbildung, dem wirtschaftswissenschaftlichem Studium bin ich das erste mal mit der Immobilie in Berührung gekommen. Damals im Bereich der Bilanzierung und der besonderen Vorschriften. Nach meinem Studium habe ich dann verschiedene Joboptionen geprüft und dann bei der Research Medien AG angefangen. Das know how kam dann quasi per learning by doing.

Ich empfinde das Thema Immobilienwirtschaft heute als eines der umfangreichsten Themengebiete. Man bekommt einen Einblick in sämtliche Bereiche der Wirtschaft. Ob Steuern, Recht, Volkswirtschaft, Soziales. Bei der immobilienwirtschaftlichen Berichterstattung spielen viele Komponenten eine Rolle und es wird dadurch nie langweilig.

Gewerbe-Quadrat: Der Immobilienbrief berichtet alle 14 Tage kostenlos über Fakten, Meinungen und Tendenzen der deutschen Immobilienmärkte. Welche Aufgabe haben Medien in der Immobilienwirtschaft? Welche Pflichten hat der Immobilienjournalist?

André Eberhard: Medien in der Immobilienwirtschaft haben zunächst einmal die gleichen Aufgaben wie alle Medien. Die sachliche und objektive Berichterstattung über die Geschehnisse in der Immobilienwirtschaft. Das können Deals, Unternehmensnews oder Personalien sein. Aber auch neue Projektentwicklungen, Ökologie oder die Megatrends Demografie, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Dabei sollte man stets versuchen alle Quellen zu recherchieren und auch zu hinterfragen. Spass macht aber insbesondere die meinungsorientierte Berichterstattung. Viele Sachverhalte und Themen werden oftmals mit dem gesunden Menschenverstand relativiert.

Gewerbe-Quadrat: Konnten Sie über die letzten Jahre einen Medienwandel in der Immobilienwirtschaft feststellen? Hat sich das Berufsbild des Immobilienjournalisten verändert?

André Eberhard: Als ich anfing war die Medienlandschaft im Bereich Print noch aktiver. Mit der FTD oder zum Beispiel Fonds & Co. sind zwei wichtige Medien der Branche verschwunden. Online ist wichtiger geworden. Gleichzeitig sind immer weniger Branchenteilnehmer bereit für Journalismus zu bezahlen. Informationen sind kostenlos überall zugänglich. Das verändert die Konzepte der Verlage. Printmedien werden zunehmend weiter zurückgedrängt.

Auch die Werbebudgets sind erheblich gestrichen worden. Dennoch wollen Unternehmen, dass über sie weiter berichtet wird. Diesen Widerspruch verstehen Unternehmen oftmals nicht, denn ohne Werbung, ist eine Finanzierung der Medien, die über die Branche berichten und auch für sie in der Öffentlichkeit eintreten, nicht möglich. Ich hoffe dass sich das ändern wird.

Gewerbe-Quadrat: Darüber hinaus sind Sie Vertragsleiter bei „Der Immobilienbrief“. Ihr Medium wird online veröffentlicht, zur EXPO REAL erscheint ein gedrucktes Magazin. Wie sehen Sie die Zukunft von Printmedien in der Immobilienwirtschaft?

André Eberhard: Wie oben erwähnt sind Printmedien in der Branche zurückgedrängt worden oder mussten sich neue Konzepte einfallen lassen. Ich glaube aber, dass es immer eine Zielgruppe geben wird, die Printmedien den Onlinemedien vorziehen wird. Ich denke beide haben ihre Berechtigung solange verstanden wird, dass Onlinemedien nicht weniger Arbeit bei der Recherche machen als Printmedien.

Gewerbe-Quadrat: Welche 3 Trends werden Ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf die Immobilienwirtschaft ausüben? Wie beurteilen Sie dabei die Innovationsfähigkeit des Immobilien-Journalismus?

André Eberhard: Ganz klar sind das Demografie, Digitalisierung und Ökologie. Schon heute sind nachhaltige Gebäude gefragter denn je. Gleichzeitig erleben wir durch den Flüchtlingsstrom, wie das Thema Demografie noch einmal gedreht werden kann. Auch beim Thema Digitalisierung hat die Branche noch viel Nachholbedarf. Das gilt auch für die mediale Berichterstattung. Die Branche ist z.B. bei Apps oder Immobilien-TV noch in den Kinderschuhen.

Gewerbe-Quadrat: Herr Eberhard, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg.


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