Alexander Heintze

Interviewreihe „Medienwandel in der Immobilienwirtschaft“: 5 Fragen an Alexander Heintze

Gewerbe-Quadrat: Herr Heintze, Ihr Name steht bereits seit vielen Jahren für qualifizierten Journalismus in den Bereichen Wirtschaft und Immobilien. Als freier Journalist sind Sie seit 2004 unter anderem für das Capital, die Immobilien Zeitung, das manager magazin oder Spiegel Online tätig. Weshalb haben Sie sich beruflich für den Journalismus entschieden?

Alexander Heintze: Aus rein materiellen Gründen. Als kleines Kind habe ich oft die Werbegeschenke von meinem Onkel, der auch Journalist ist, bekommen. Ich dachte mir: Ein Beruf, bei dem man Geschenke bekommt und viel reisen darf, den möchte ich auch.

Im Ernst: Ich konnte mich nie mit der Idee anfreunden, jeden Tag im Anzug in einem Büro zu sitzen und immer nur an den gleichen Dingen zu arbeiten. Der Beruf des Journalisten ist abwechslungsreich. Sie müssen sich ständig mit neuen Dingen beschäftigen, etwas neues lernen und dieses Wissen vermitteln.

Gewerbe-Quadrat: Auf Ihrer Homepage zitieren Sie Hanns-Joachim Friedrichs „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ Welche Aufgaben und Pflichten hat der Journalist in der Immobilienwirtschaft? 

Alexander Heintze: Ein guter Journalist darf nicht zu viel Nähe zulassen, um objektiv bleiben zu können. Seine Pflicht ist, unabhängig zu berichten.

Gerade bei Fachmedien ist die Versuchung oftmals groß, vereinnahmt zu werden. Schließlich leben viele Medien von den Anzeigenkunden. Je kleiner eine Branche ist, desto eher kennt man sich und desto schneller ist man über die Jahre beim Du. Man muss die professionelle Distanz bewahren.

Die grundsätzlichen Aufgaben sind ansonsten die gleichen wie in anderen journalistischen Bereichen: zuverlässige Recherche, objektive Berichterstattung und ständige Weiterbildung.

Gewerbe-Quadrat: Im Jahr 2008 wurden Sie mit dem Sonderpreis „Recherche“ des Deutschen Journalistenpreis Immobilienwirtschaft ausgezeichnet. Wie gehen Sie bei der Suche nach Informationen vor? Welche Kanäle nutzen Sie vorwiegend?

Alexander Heintze: Klassisch beginnt eine Recherche im Internet, dann kommen persönliche Gespräche und Kontakte. Das heißt: viel telefonieren. Auslöser einer Recherche können Pressemeldungen sein, aber auch Berichte in anderen Zeitungen oder Informationen, die ich von meinen Quellen oder auf Veranstaltungen bekomme. Immer häufiger finde ich Informationen oder Themenanregungen in Medien wie Facebook, Xing und nicht zuletzt bei Twitter.

Gewerbe-Quadrat: Konnten Sie über die letzten Jahre einen Medienwandel in der Immobilienwirtschaft feststellen? Hat sich das Berufsbild des Immobilienjournalisten verändert?

Alexander Heintze: Der Wandel betrifft alle Medien. Die Verlage haben durch das Internet ihre Informationshoheit verloren und müssen sich neue Konzepte einfallen lassen, um ihre Leser zu halten und um im Internet Geld zu verdienen. Auch wenn es gedruckte Zeitungen und Zeitschriften noch einige Zeit geben wird, geht der Trend ganz klar in Richtung online. Das gilt allgemein und natürlich auch für die Immobilienpresse.

 

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Das Berufsbild hat sich dadurch noch nicht wesentlich verändert. Letztlich ist es egal, ob die Texte online oder gedruckt auf Papier erscheinen. Die Qualität ist entscheidend. Das Berufsbild wird sich aber in Zukunft verändern. Journalisten werden auch in der Immobilienbranche zunehmend multimedial denken und produzieren müssen: Kurze News für Internet, längere Hintergrundgeschichten für Print und Online-Zusatzstücke wie Videos oder Fotostrecken.

In einer anderen Richtung hat sich das Berufsbild schon verändert. Die Verflechtungen der Immobilienwirtschaft mit der allgemeinen Wirtschaft, der Politik und auch der Gesellschaft werden immer enger. Die Entwicklung einer Immobilie wird von der Öffentlichkeit viel intensiver diskutiert als noch vor einigen Jahren. Als Immobilienjournalist reicht daher das bloße Wissen über die Immobilie an sich nicht mehr aus. Er muss auch die sozialen, ökonomischen und politischen Faktoren erkennen und erklären können.

Gewerbe-Quadrat: Wie sehen Sie die Zukunft von Printmedien in der Immobilienwirtschaft?

Alexander Heintze: Anders als etwa bei den Tageszeitungen glaube ich, dass es Print in der Immobilienwirtschaft noch einige Zeit geben wird. Die Branche ist in vieler Hinsicht konservativer. Dennoch gibt es, wie gesagt, einen klaren Trend hin zum Online-Journalismus. Ich denke, dass die nächste oder übernächste Generation kaum noch gedrucktes Papier in die Hand nehmen wird.

Gewerbe-Quadrat: Herr Heintze, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg.


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