Dagmar Hotze

Interviewreihe „Medienwandel in der Immobilienwirtschaft“: 5 Fragen an Dagmar Hotze 

Gewerbe-Quadrat: Frau Hotze, Sie gründeten bereits im Jahr 2008 greenIMMO – Das Onlinemagazin für zukunftsfähige Immobilien. In diesem Zusammenhang stellen Sie schon langjährig Nachhaltigkeits- und Zukunftsthemen der Immobilienwirtschaft dar. Wie fällt Ihr Fazit hinsichtlich der Verankerung dieser Themen in der Immobilienbranche nach 7 Jahren aus?

Dagmar Hotze: Der Lernkurve ist weiterhin sehr hoch. Vor allem deshalb, weil die Branche nach wie vor ein mehr oder weniger geschlossener Zirkel ist, der kaum Impulse von außen aufnimmt. Die „Rallye“ um Rendite verstärkt das business-as-usual noch, so dass die gravierenden gesellschaftlichen und technologischen Umbrüche, in denen wir uns befinden, lediglich als Randnotiz vorkommen. Die Branche unterschätzt die Konsequenzen, die die Umwälzungen für sie haben werden und die Schnelligkeit, mit der sich die Veränderungen vollziehen, meines Erachtens völlig. Nehmen wir als Beispiel die mobile Arbeitswelt oder die Sharing Economy. Beides wird den Büroimmobilienmarkt, das Vermietungsgeschäft, die Mietlaufzeiten, die Servicekultur und die Managementprozesse dauerhaft verändern. Wer braucht in 5 Jahren noch ein fixes Büro zu festen Konditionen? Für diejenigen, die sich nicht von ihrer hierarchischen Unternehmensstruktur verabschieden, wird die Rechnung nur noch schwer aufgehen. Einige wird es kalt erwischen. Und dass bei der wichtigsten Anlageklasse! Quergedacht wird trotzdem nicht. Der Status quo muss aufrecht erhalten bleiben.

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Allerdings darf man in dieser heterogenen Branche nicht alle in einen Topf werfen. So ist sich die Wohnungswirtschaft sehr wohl ihrer Rolle als ein wichtiger Eckpfeiler für den sozialen Zusammenhalt in Städten bewusst. Und angesichts der Flüchtlingsunterbringung zeigen sich viele Wohnungsunternehmen offen für neue Konzepte und bringen sich als Quartiersgestalter aktiv ein. Für sie ist die Immobilie nicht allein ein Wirtschaftsgut, Gott sei Dank. Ich hoffe, das bleibt auch so.

Gewerbe-Quadrat: Als freiberufliche Journalistin verfügen Sie über jahrelange Erfahrung im Verlagswesen und im Videojournalismus. Welche Aufgabe haben Medien in der Immobilienwirtschaft? Welche Pflichten hat die Immobilienjournalistin bzw. der Immobilienjournalist?

Dagmar Hotze: Immobilienwirtschaftliche Themen haben in den letzten Jahren das Fachressort verlassen und sind in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Der zu berücksichtigende Kontext, in dem sich Immobilienwirtschaft neben der Ökonomie abspielt, ist dadurch größer geworden. Denn interessierte Leserinnen und Leser möchten wissen, was, wo, wann, von wem und wie gebaut wird und sie wollen verstehen, was vor sich geht. Journalisten haben also die Aufgabe, die häufig sehr komplexen Sachverhalte verständlich und transparent zu machen. Das ist eine interessante und spannende Aufgabe, die hoffentlich viele junge Journalistinnen und Journalisten motiviert, in diese fachliche Richtung zu gehen.

Gerade im Bereich des immobilienwirtschaftlichen (Fach-)Journalismus wünsche ich mir Nachwuchstalente, die neben einem profunden Fachwissen frische Ideen für zeitgemäße Formen des Berichtens und Erzählens mitbringen. Die multimedial ausgebildet wurden und in der Lage sind, Artikel entsprechend übergreifend aufzubereiten. Die wissen, wie man Text, Foto, Video, Grafik und Audio sinnstiftend einsetzt und verwendet. Aber vor allem: Die die verkrusteten Strukturen in so mancher (Fach)-Redaktion aufbrechen.

Gewerbe-Quadrat: Konnten Sie über die letzten Jahre einen Medienwandel in der Immobilienwirtschaft feststellen? Wie beurteilen Sie die Innovationsfähigkeit des Immobilien- Journalismus im Vergleich zu anderen Branchen?

Dagmar Hotze: Was die Nutzung von Sozialen Netzwerken angeht, haben einige aufgeholt. Wir haben 2016, wohlgemerkt. Mittlerweile sind auf Twitter Querdenker der Immobilienwirtschaft unterwegs, mit denen man sich auf diese Art unkompliziert austauschen kann. Eine praktische Sache. Die meisten Kommunikationsabteilungen von Unternehmen schießen jedoch nur ihre PR-Meldungen rein und das war’s. Es wird keine Frage beantwortet, ein Dialog findet nicht statt. Kein Anschluss unter diesem Account, sozusagen. Das ist schade, zeigt aber, dass nicht verstanden wird, wie Soziale Netzwerke funktionieren.

Wegweisende deutschsprachige Blogs, Videoreihen oder multimediale Onlineprojekte wüsste ich nicht zu nennen. Aus 2015 ist mir die toll gemachte interaktive Webseite über „Tech Cities“ von Savills UK in Erinnerung geblieben. Vielleicht haben deutsche Immobilienunternehmen, aber vor allem auch Redaktionen, in diesem Jahr mehr Mut und sind inspirierter. Schauen wir mal, was kommt.

Vielleicht haben deutsche Immobilienunternehmen in diesem Jahr mehr Mut und sind inspirierter.Click To Tweet

Zur Innovationsfreude der journalistischen Zunft lässt sich sagen, dass sie sich genauso wie alle anderen Berufsgruppen den veränderten Gegebenheiten anpassen muss. Und darin ist sie nicht besser und nicht schlechter.

Gewerbe-Quadrat: Als freiberufliche Journalistin setzen Sie vermehrt auf Videoproduktion. Ist Videojournalismus in der Immobilienbranche bereits verbreitet? Welche Möglichkeiten bietet Video Storytelling für Immobilienunternehmen?

Dagmar Hotze: In der Immobilienbranche sind journalistische Videoformate die Ausnahme. Hier spielen PR- und Marketingfilme die Hauptrolle. Fachredaktionen von Printmedien befinden sich beim Thema Video, wenn überhaupt, im Experimentierstadium.

Doch es gibt Auftraggeber aus anderen Bereichen, z.B. Stiftungen, Institute und Organisationen, die sich originär zwar nicht mit Immobilien beschäftigen, aber dennoch von den Prozessen, die im Zusammenhang mit der Immobilienwirtschaft stehen, auf die eine oder andere Art tangiert sind. Ich sprach vorhin ja von dem größer werdenden Kontext. Diese Tendenz, sowohl das große Ganze, als auch die vielen Teile zu sehen und vermitteln zu wollen bzw. auch zu müssen, hat zugenommen, wodurch sich für Videojournalisten, die über immobilienwirtschaftliches Hintergrundwissen und ein gut ausgebautes Netzwerk verfügen, tolle Arbeitsmöglichkeiten ergeben. Wie lässt sich aus dem Puzzle an Zahlen, Fakten, unterschiedlichen Perspektiven und O-Tönen eine spannende Geschichte in bewegten Bildern erzählen? Eine Geschichte, die dramaturgisch und bildsprachlich dicht ist? Meiner Ansicht nach, wird das Spektrum an Auftraggebern bzw. werden die Refinanzierungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren tendenziell größer.

Was ich auch festgestellt habe ist, dass je mehr Erfahrung der Auftraggeber selbst bzw. sein Team mit neuen Medien hat, um so leichter ist die Zusammenarbeit. Ich jedenfalls freue mich immer, wenn ich mit Leuten deutlich unter 40 spreche. Die sind meist internetaffin, nutzen Facebook, YouTube und Co. Hier muss ich nicht bei Adam und Eva anfangen und erklären, warum, wieso, weshalb. Man kommt gleich zur Sache, steckt sich ein Ziel und es entstehen gute Konzepte. In jedem Fall kommen spannende Zeiten, auf die ich mich riesig freue.

Gewerbe-Quadrat: Frau Hotze, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg!

P.S.: Ja, das waren lediglich 4 Fragen. Dafür präsentieren wir die tolle greenIMMO Webdoku „Immobilie der Zukunft“ , die im Rahmen der EXPO REAL 2014 mit mehreren Experten entstand. Viel Spaß!