Damit diese mysteriöse „Digitalisierung“ in Unternehmen überhaupt angegangen werden kann, bedarf es einer neuen Denkweise im Management. Wir erläutern erste Ansätze

Gewerbe-Quadrat ships-1024x681 Digitale Transformation – Wie beginnen?

Entrepreneurship – Von Gründern und Startups lernen

Lean Startup, Agile, BMC, Prototyping, Scrum, Design Thinking, Six Sigma, Collaboration

Buzzword Bingo? Nein, Budder bei de Fische!

Viele Entscheidungen in etablierten Unternehmen sind Risikoentscheidungen. Es liegt die Annahme zugrunde: „Was wir vorhersagen können, können wir auch steuern“. So werden unter Risikobedingungen Best- und Worst-Case-Szenarien erstellt, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden. Die Vorgangsweise im klassischen Management entspricht der Kurzformel: „Prognose – Planung – Handlung“.

Soll hingegen etwas Neues erschaffen werden, treffen Unternehmen auf ganz andere Entscheidungsbedingungen. Wer hätte in den 1990er Jahren verlässliche Aussagen über die Erfolgswahrscheinlichkeit von Amazon treffen können? Woran soll man ansetzen, wenn es um neue Geschäftsmodelle geht? Klassisches, zielorientiertes Management hat unter Ungewissheit schlechte Karten, da es auf Prognosen und Planungen beruht. Unser 21. Jahrhundert wird von Ungewissheit und Komplexität geprägt sein. Die Welt ist unsicherer, komplexer und vieldeutiger geworden.

Daher gilt es die eigene Experimentationsrate zu erhöhen, um als klassisches Unternehmen nicht global den Anschluss an die – ach so schöne Tech-Welt – zu verlieren. Gemäß Christensen’s Theorie tritt eine disruptive Innovation vom „unteren Ende des Markets“ auf. Nun unterschätzt die Immobilienwirtschaft bekanntermaßen schon die eigenen PropTech-Startups. Was jedoch, wenn der Wettbewerb aus ganz anderen Branchen entstammt?

Die ganze Business-Welt ist mit Lean Konzepten und agilem Management vertraut. Die ganze Business Welt? Nein, eine der größten Branchen des Landes dümpelt bis heute im Nirwana der Old Economy umher. Hallo, liebe Immobilienwirtschaft…

Lean Management

Der Begriff „lean“ wird im Deutschen immer wieder mit „schlank“ übersetzt. Damit soll gemeint sein, dass für ein Vorgehen nur wenig personelle und finanzielle Ressourcen erforderlich sind. Der Kern des Lean Managements ist jedoch ein anderer: Es bedeutet die Konzentration auf Wertschöpfung für Kunden und die Vermeidung von Verschwendung. Die Vorgehensweise stützt sich bekanntermaßen auf Japan und das Toyota-Produktionssystem (TPS). Zahlreiche Unternehmen kopierten die Methoden und Werkzeuge und begannen mit Rationalisierungsprojekten. Dabei wurde der wichtigste Erfolgsfaktor, und zwar die tägliche Verbesserung durch die Mitarbeiter mittels kontinuierlichem Verbesserungsprozess (KVP) vernachlässigt.

Zu den wesentlichen Prinzipien zählen:

  • Nähe zum Kunden
  • Fehlerkultur
  • Visualisierung
  • Gegenständlichkeit
  • Teamarbeit

Ziel ist es, den Anteil wertschöpfender Tätigkeiten gegenüber dem nicht wertschöpfenden zu erhöhen. Unternehmen in Deutschland haben das Ganzheitliche Produktionssystem (GPS) eingeführt, um die Entwicklungszeiten- und kosten zu senken. Dennoch ist bis heute vielen Unternehmen nicht bewusst, welche Tätigkeiten überhaupt zur Wertschöpfung und welche zur Verschwendung beitragen.

Lean Startup

Vor 10 Jahren fiel der Startschuss einer neuen Bewegung. Steve Blank veröffentliche im Jahr 2006 das Buch „4 Steps to the Epiphany“ wonach neue Geschäftsmodelle in kürzester Zeit entwickelt werden konnten. Die Lean-Startup-Bewegung war geboren. 2011 erfolgte durch Eric Ries „The Lean Startup“ der weltweite Durchbruch. Darin schildert er seine Erfahrungen und welche Methoden man für den Aufbau von Innovationen gewonnen hat. Ein wesentlicher Kern ist das validierte Lernen. Durch Beobachten und Messen entstehen Daten, die zur Weiterentwicklung der eigenen Dienstleistungen genutzt werden. So entstehen Hypothesen.

Wir möchten auch „lean“ sein – wo sollen wir anfangen?

Jedes Geschäftsmodell basiert auf Grundannahmen. Wenn diese in eine testbare Form überführt werden, werden diese als Hypothesen bezeichnet. Leichter gesagt als getan. Das beste Medium, auf dem Annahmen festgehalten werden können ist im Idealfall

  1. Einfach
  2. Tragbar
  3. Im Team nutzbar

Dankenswerter Weise gibt es die BMC – Business Model Canvas von Alexander Osterwalder. Zudem existiert die Lean Canvas von Ash Maurya, welch etwas einfacher für mobile Produkte nachzuvollziehen ist. Beide Modelle stellen eine Verbesserung zum traditionellen Businessplan dar, denn es vereinfacht die wesentlichen Informationen. Dennoch bedarf es kontinuierlicher Verbesserung, um die Entwicklung der eigenen Vision zu dokumentieren und sicherzustellen (vgl. KPS von Lean Management).

Natürlich hat das BMC Grenzen. Ein Startup mit nur einem BMC zu führen ist wie Buchhaltung mit Bilanzaufstellung ohne Einkommensaufstellung und Kapitaldurchflussrechnung. Es dient lediglich als Größenordnung.

Letztlich ist es dank des Ansatzes möglich, Hypothesen hinter einer Idee systematisch zu testen. Durch Iterationen können Produkte und Services und damit die Produkt-Markt-Passung optimiert werden.

Scrum

Scrum hat seine Wurzeln in der Softwareentwicklung, ist jedoch mittlerweile in viele andere Anwendungsbereiche vorgedrungen. Der Begriff leitet sich aus „Gedränge“ beim Rugby ab, wonach alle Spieler eng zusammengedrängt werden. Interessant sind dabei vor allem das Scrum-Board, das aus dem Kanban-Board des Lean Managements entstanden ist. Mit Kanban soll eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung geschaffen werden. Schließt sich damit etwa allmählich der Kreis?

Zu den Grundlagen zählen:

  • Starkes Team
  • Regelmäßiges Feedback und Lernschleifen
  • Visualisierung des Arbeitsfortschritts
  • Vermeidung von Verschwendung und Ablenkung

Klarheit in einer komplizierten Welt. Wie das denn? Kanban ist das japanische Wort für Kartenwand und damit eine schlichte Tafel. Auf dieser Tafel werden Karten in verschiedenen Spalten angebracht, die die Arbeitsabläufe eines Unternehmens abbilden.

Einfach. Visualisieren.

Design Thinking

Noch so ne olle Erfindung aus dem Silicon Valley. David Kelley hat 1991 in Paola Alto das Unternehmen IDEO gegründet, wonach spezielle Herangehensweisen für das Produktdesign entwickelt wurden. Damit war der Weg frei vom akademischen Ballast, hin zum Verstehen und Beobachten von Kunden (in der Praxis).

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Die Idee dahinter?

Experten unterschiedlicher Disziplinen werden in kleinen Teams zusammengewürfelt, um mit ihrer unterschiedlichen fachlichen Erfahrung, ihrer unterschiedlichen  Sichtweisen und ihres vorhandenen Experten-Wissens aus Ideen erste Prototypen zu entwickeln. Dabei wird nicht nur Wert auf die Anziehungskraft und die Umsetzbarkeit gelegt, sondern auf die Wirtschaftlichkeit, um aus diesen drei gleichberechtigten Faktoren eine Schnittmenge zu bilden.

Design Thinking ist im Grunde ein immer neues, kreatives Experiment, das in unterschiedlichen Prozessen abläuft. Die Idee, die hinter dieser Methode steckt ist ebenso einfach wie effektiv.

Summa Summarum

Alle dargestellten Konzepte führen letztlich zu einem Wandel im Management:

  • Kundenorientierung
  • Lernen durch Experimentieren und Messen
  • Werte statt Verschwendung schaffen

Die beschriebenen Methoden dienen als Grundlage, das eigene Geschäftsmodell digital aufzustellen, zu erweitern oder neue Felder zu betreten. Digitalisierung und dabei noch kein Wort von Prozessen, Technik, IT oder diesem mysteriösen CDO?

Weiter geht es im nächsten Jahr.

Allen einen guten Start in das Jahr 2017 – Dem Jahr der Veränderungen

P.S.: Data never sleeps


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