Property Technology ist in der Immobilienwirtschaft angekommen. Hallelujah.

Buzzwords wie PropTech sind lächerlich. Trotzdem sind sie wichtig: In einem schnell wandelnden Umfeld sorgen sie dafür, dass die Marktteilnehmer sich mit Themen auseinandersetzen.

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Das PropTech Business steht bekanntermaßen erst am Anfang einer langen Reise. Das hat Dr. Thomas Beyerle im aktuellen Catella Market Tracker untersucht und übersichtlich aufbereitet.

Es gilt zunächst die verschlafene Branche aufzuwecken, um gemeinsam neue Ideen voranzubringen. PropTech is about collaboration. Das werden Sie hier noch des Öfteren lesen.

Warum?

In der Immobilienwirtschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten gewisse Lösungen etabliert. Neue und unkonventionelle Lösungswege wurden nicht weiterverfolgt.

Gleichzeitig schreitet der technologische Fortschritt exponentiell voran. Ray Kurzweil (sollte man einmal gehört haben) hat in seinem Essay „The Law of Accelerating Returns“ festgestellt, dass die technologische Entwicklung exponentiell erfolgt. Kurzweil argumentiert, dass die technologische Entwicklung im Grunde genommen die Fortsetzung der biologischen Evolution darstellt.

Mithilfe von nicht-biologischen Hilfsmitteln setzt die Menschheit den Evolutionsprozess fort, da unser biologischer Körper nicht in der Lage ist im selben Tempo an Intelligenz zuzulegen. Jede technologische Verbesserung führt dazu, dass die nächste technologische Verbesserung schneller erreicht werden kann. In diesem Prozess verbessert sich die Technologie rasant.

Gemäß Kurzweil nehmen wir technologische Entwicklungen als linear wahr und beziehen diese Wahrnehmung auf die Zukunft. Die tatsächliche technologische Entwicklung des 21. Jahrhunderts macht viel größere Fortschritte. Weil wir den Fortschritt jede Dekade verdoppeln, werden wir die Entwicklung von 20.000 Jahren in einem Jahrhundert sehen. Klingt erschreckend? Überrascht? Moore’s Law gilt schon heute nicht mehr.

Okay, Kurzweil hat vermutlich auch eine Schraube locker, da er seine technologischen Annahmen als Religion auffasst. Dennoch wurde der Mann mit 19 Ehrendoktortiteln und den höchsten Technologie Auszeichnungen der USA geehrt.

We always overestimate the change that will occur in the next two years and underestimate the change that will occur in the next ten. (Bill Gates)
 billgates

Natürlich könnte man jetzt noch auf den techno-ökonomischen Paradigmenwechsel nach Carlota Perez eingehen. Wir möchten auf diesem Blog jedoch nicht die Welt erklären, sondern lediglich zum Nachdenken anregen. Das Buch “Technological Revolutions and Financial Capital – The Dynamics of Bubbles and Golden Ages” ist dennoch sehr zu empfehlen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Immobilie als Assetklasse näher an den Kapitalmarkt rückt und der Druck des Kapitalmarktes auf die Immobilienmärkte weiter zunimmt…

Kurz zusammengefasst: Der technologische Fortschritt beschleunigt sich exponentiell und es kommen in immer kürzeren Zeitabständen neue Technologien auf den Markt. Natürlich werden bei weitem nicht alle Technologien von der Gesellschaft sofort und bedingungslos angenommen. Sobald aber eine Technologie dafür eingesetzt wird, das Leben der Menschen zu vereinfachen, wird sie übernommen.

produktentwicklung

Wer kann sich noch an die Produktpräsentation des iPhone im Jahr 2007 erinnern? Dieser olle Klotz leitete eine gigantische Revolution ein. Willkommen im digitalen Zeitalter.

Das Smartphone ist schon heute der wichtigste Gegenstand in unserem Konsumalltag. Mobile is eating the world. Die mobile Nutzung des Internets ist bereits omnipräsent, d. h. Apps und Cloud-Anwendungen bestimmen unser Leben (Social Media, Messaging, Shopping, Banking, usw.). Dennoch ist zu erwarten, dass im Zuge des Fortschritts auch das klassische Smartphone abgelöst wird.

Tech-Giganten nutzen die ungeheure Datenmengen bereits effizienter als irgendein anderer Player. Da kann man so in der Immobilienwirtschaft noch so viel über Big Data diskutieren. In der Praxis sieht es doch miserabel aus, machen wir uns nichts vor. Es fehlt an Akzeptanz, Bereitschaft, Know-How, Werkzeugen und vor allem an einheitlichen Standards. Amazon passt in den USA beispielsweise die Preise rund 2,5 Millionen mal am Tag an. Retail Giganten wie Wal-Mart “lediglich” 50.000 mal im Monat. Mit Echo Dot bietet Amazon nun ein Smart-Home für 90 Dollar an. 90 Dollar! Die Datenkrake lebt. Und ist als trojanisches Pferd getarnt.

Vor kurzem kündigte Google den Bau einer ganzen Stadt an. Google City? Das Kapital ist vorhanden, die Kundendaten ebenfalls. Fehlen noch ein paar Betonklötze, sprich Immobilien.

In Deutschland sind wir davon natürlich noch weit entfernt. Dennoch wird der Wandel eines Tages stattfinden. Warum? Weil die aufstrebende Generation, die sogenannten Millennials sowie die nachfolgende Generation in dieser komplizierten High-Tech Welt aufwächst. Das Tempo nimmt rasant zu. Die Menschen wünschen einfache Lösungen.

PropTech

Das Leben der Menschen zu vereinfachen. Den Kunden im Vordergrund. Customer Experience.

Wie wir es drehen und wenden, letztlich geht es um den Konsumenten. An dieser Stelle setzen PropTechs an. Die Technologie rückt in den Hintergrund, die Lösung eines Problems in den Vordergrund.

Die Mehrheit der derzeitigen PropTech Geschäftsmodelle zielen in erster Linie auf Kostenersparnisse ab. Es fehlt (noch) das notwendige Fachwissen und vor allem die Daten, um die zahlreichen Akteure sowie die Marktmechanismen zu verstehen.

Gleichzeitig führt ein höherer Grad an “Digitalisierung” auch zu einem höheren Maß an Transparenz im Hinblick auf Abläufe, Marktdaten und –informationen. Viele Arbitragegewinne in der Immobilienbranche basieren aber gerade auf dieser marktimmanenten Informationsasymmetrie.

Der neue Weg

Das Wirtschaftsgut “Immobilie” steht in der Brandung aktueller makroökonomischer, demographischer und technologischer Veränderungen. Die Immobilienbranche, wenn Sie denn überhaupt als Einheit existiert, wird zunehmend verändert werden.

Das Image der Branche ist bis heute negativ belastet. Um diesen Zustand zu ändern, müssen wir versuchen die aufstrebenden PropTechs und die traditionelle Branche zusammenführen. Kommunikation und Kooperation sind das Fundament für Innovationen und der Treiber von Kreativität. Wir müssen eine gemeinsame Innovationskultur etablieren. Gemeinsam können wir die Immobilienbranche endlich in das digitale Zeitalter führen und letztlich die eklatanten Ineffizienzen beseitigen. Schritt für Schritt.

Ach so, wir reden ja von PropTech. Daher noch das Update für Mai. Mittlerweile sind wir bei Version 3.0 und zählen weiterhin 105 Startups und 2 Accelerator.
 PropTech_Deutschland_Mai2016Ökosystem Download: PropTech Mai 2016
(English Version: PropTech May 2016)

Real Estate is a people business. PropTech is about collaboration.

1 Kommentar

  1. Bei der Hochzeit zwischen PropTech und der realen Immobilienbranche in Deutschland zeigt PropTech das machbare auf aber in der Realität fehlt oft die Phantasie das gewünschte überhaupt zu artikulieren. Wir erleben immerwieder die Konflikte zwischen den Seiten des Marktes, die darauf beruhen, dass Eigentümer/Investoren kaum Ihre Wünsche und Vorstellungen klar darstellen können und Dienstanbieter sich in Ihrem Angebot oft auf Negativdefinitionen zurückziehen (das ist nicht Teil unserer Leistung).
    Solange die “Deliverables” nicht klar und messbar definiert sind, wird PropTech nur zu Scheinlösungen und Frustration führen.

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