Digitale Technologien in der Immobilienwirtschaft: Ein Statement

Technologien

Digital Real Estate, PropTech, CREtech, FinTech, LegalTech – Moment mal.

In den letzten Monaten bestimmen Technologie-Schlagwörter die Immobilienbranche.
Digitalisierung, Big Data, Small Data, Cloud Computing, Business Intelligence – Alles nur Bullshit Bingo.

Die Immobilienbranche befindet sich am Beginn des Hype-Zyklus.

hype-zyklus

Ganz klar werden neue Technologien in der Immobilienwirtschaft den dargestellten Hype-Zyklus durchlaufen. Ebenso wird eine Vielzahl von Technologien frühzeitig die Phase der Produktivität erreichen. Diese Triebkräfte der digitalen Transformation gilt es in den kommenden Monaten genauer zu identifizieren und gemeinsam zu erörtern. Wir alle befinden uns erst in der Lernphase.

Immerhin hat die Diskussion über neue Technologien begonnen. Dafür ist es auch allerhöchste Eisenbahn! Warum? Weil sich unsere Welt verändert hat.

Unternehmen_global2016

Mit Apple, Google Inc. und Microsoft haben sich Konzerne der digitalen Ökonomie an der Weltspitze etabliert. Hinzu kommen die Tech-Giganten Facebook (231 Mrd. $), Alibaba (202 Mrd. $) sowie Amazon (175 Mrd. $). Diese Unternehmen symbolisieren den heutigen technologischen und innovativen Fortschritt – mit weitreichenden Effekten für diverse Branchen.

Wir alle befinden uns inmitten der vierten industriellen Revolution – der sogenannten Industrie 4.0. Durch das Internet getrieben, wachsen reale und virtuelle Welt zu einem Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) zusammen. Im Klartext bedeutet das: Nach der Automatisierung kommt nun die Digitalisierung der Fabrik. In dieser sind Roboter und Maschinen an das Internet angeschlossen, kommunizieren miteinander und treffen eigenständig Entscheidungen. Als Randnotiz: Google ist im Besitz von 8 Robotik-Firmen.

Nun aber mal langsam. Wir reden doch von Immobilien.

Die digitale Transformation findet statt, davon ist mittlerweile wohl jeder Akteur der Immobilienbranche überzeugt. Auch im Veranstaltungskalender 2016 lässt sich vermehrt das Schlagwort „Digitalisierung“ finden. Es findet also allmählich eine Diskussion über digitale Geschäftsmodelle statt. In einer Experten-Umfrage während der Expo Vision im Dezember 2015 waren lediglich 9 % von einem weniger starken bzw. geringen Einfluss der digitalen Technologien überzeugt. Diese 9 % kriegen wir im Verlauf des Hype-Zyklus auch noch klein…

Digitalisierung_Immobilienbranche

Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Auch der ZIA stellte in einem neuen Sonderbeitrag zu „Auswirkungen digitalisierter Märkte auf die Immobilienwirtschaft“ fest: 

Der Einfluss der Digitalisierung auf die Immobilienwirtschaft ist umfassender als es oberflächlich betrachtet erscheint (ZIA Frühjahrsgutachten 2016)
Na gut, diese Aussage lässt uns nicht HEUREKA schreien. Aber immerhin, die Branche möchte sich mit technologischen Neuerungen auseinandersetzen. Nur Excel ist ja auf Dauer auch langweilig…

Es gilt nun vor allem die Transparenz zu erhöhen, denn bekannterweise sind digitale Geschäftsmodelle auf Informationen aufgebaut. Oder besitzt etwa AirBnB eine Unmenge an Assets? In Zukunft werden Services im Mittelpunkt stehen. In diesem Zusammenhang kommt (hoffentlich) das klassische Menschenhirn zum Einsatz.

Wir dürfen unsere Augen nicht vor anderen Branchen schließen! Zahlreiche Start-ups aus der IT-Branche brechen allmählich das Silo- und Kastendenken der Immobilienbranche auf. Diese Unternehmer sind Experten für Programmiersprachen. Wenn wir dieses Ding namens „Digitalisierung“ ernsthaft angehen wollen, dann geht das nur mit neuen Ideen durch Branchen-Neulinge.

PropTech: Digitale Makler, Immobilienplattformen, Immobilien Crowdinvesting und mehr

Ja, PropTech ist in Deutschland derzeit nur eine Worthülse. Aber die Menschen dahinter sind real, die Ideen bieten Potenzial. Neue Start-ups drängen auf die Immobilienmärkte. Das in Deutschland neu geltende Bestellerprinzip fördert neue Geschäftsideen zu Tage. Dieser kürzlich erschienene Artikel in der SZ ist ein Beleg dafür, dass Start-ups in der Wohnungswirtschaft zunehmend Aufmerksamkeit erhalten (Thema Hype-Zyklus):

SZ PropTech

Ob letztlich erfolgreich oder nicht, das wird sich zeigen. Immerhin haben diese Start-ups etwas gewagt, etwas riskiert. Junge Unternehmer bringen viel Zeit, Nerven und Kosten auf, um die Immobilienwirtschaft in das digitale Zeitalter zu befördern. Erste Wagniskapitalgeber und Unternehmen unterstützen die Start-ups schon dabei. Und das ist gut so.

PropTech symbolisiert jedoch mehr. PropTech geht in Deutschland weit über das Bestellerprinzip hinaus. PropTech ist eine Bewegung, die die Möglichkeiten neuer Technologien für die Immobilienwirtschaft vorleben wird. Insbesondere das Immobilien Crowdinvesting – die digitale Schwarmfinanzierung –  hat sich endgültig am deutschen Markt durchgesetzt.

Crowdinvesting_Marktwachstum_2015
Crowdinvesting_Entwicklung_2011-2015

 

Selbstverständlich führen digitale Technologien zu neuen Geschäftsmodellen. Es geht jedoch noch nicht um eine Disruption (da ist das Schlagwort endlich). Vielmehr geht es darum, dass Facherfahrung blockiert, Besitz blind und Wohlstand träge macht. Die Immobilienbranche kann ihre Zukunft nicht aus der Vergangenheit ableiten.

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Je früher die Kommunikation und der Dialog mit Start-ups geführt wird, desto schneller können Vorurteile aus der Welt geschafft werden. Ein gemeinsamer Austausch zwischen Start-ups, Unternehmen sowie Investoren in Kooperation mit Wissenschaft und Forschung kann die derzeit mangelhafte Transparenz verbessern. Zudem sind Kommunikation und Kooperation das Fundament für Innovationen und der Treiber von Kreativität.

Großbritannien lebt diese Partnerschaften bereits vor, die Schweiz ist uns ebenfalls voraus. Auf Gewerbe-Quadrat präsentieren wir demnächst die wichtigsten Projekte aus diesen Ländern. Währenddessen geben uns in Deutschland innovative Start-ups sowie eine zunehmende Dichte an Netzwerk-Veranstaltungen Grund zur Hoffnung.

Es ist an der Zeit die berühmt berüchtigte „German Angst“ zu überwinden. Angst haben viele vor den Risiken der Veränderungen, aber sie sollten und sind auch ein fantastischer Treiber für die Möglichkeiten vor uns. Lassen Sie uns offen und mit gesundem Menschenverstand in das digitale Zeitalter schreiten!

Warum?

Veränderungen werden kommen. Wir als Branche können uns öffnen und neuen Ideen positiv gegenüber stehen. Wir können eine unternehmerische Innovationskultur etablieren.

Wir können uns natürlich auch zurücklehnen und den digitalen Fortschritt an uns vorbeiziehen sehen. Warum nicht beobachten, wie Apple, Google. und Co. unsere Branche Schritt für Schritt bestimmen?

Warum das (auch) eine Gemeinschaftsaufgabe ist? Weil bekanntermaßen viele Akteure an einer Immobilie mitwirken.

Letztlich geht es immer um uns Menschen

Geht es bei der digitalen Transformation in der Immobilienwirtschaft letztlich um Bits und Bytes? Nein.

Es geht um die Möglichkeiten, die uns neue Technologien offerieren. Was bieten neue Tech-Unicorns wie AirBnB oder Uber? Was bietet das aufstrebende CoWorking Modell von WeWork? Was bieten soziale Netzwerke wie Facebook oder LinkedIn?

Oder in der „analogen Welt“: Warum treffen wir uns auf Veranstaltungen und zwängen uns in Meetings?

Sie kennen die Antworten. Denken Sie noch weiter.